Schloss Heidelberg

Historischer Charme und internationaler Flair
1465 wurde die Stadt Heidelberg erstmals erwähnt und schon damals ging es um den "Tourismus". Dass die Stadt Heidelberg "vielbesucht von Fremden" sei, stellte man fest. Die vielen Besucher förderten natürlich den Geschäftssinn der Einheimischen und brachten sie schon damals auf die Idee Andenken anzubieten. Graf Graimberg verkaufte beispielsweise kleine Zeichnungen mit dem Schloss als Motiv - die Vorläufer der heutigen Postkarte. Auch Schloss-Tassen reisten von Heidelberg aus als Souvenir in die große weite Welt.
Richtig los ging´s mit dem Tourismus aber erst, als Heidelberg 1840 ans Eisenbahn-Netz angeschlossen wurde. Seither gilt es als Pflichtprogramm für jeden Deutschlandreisenden, die Stadt am Neckar einmal gesehen zu haben.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat Heidelberg jährlich mehr als eine Million Besucher aus aller Welt, viele davon aus Nordamerika und Japan. Wichtigster Anlaufpunkt ist dabei das Schloss mit seinen Aussichtsterassen.
Trotzdem hat Heidelberg sich einen ursprünglichen Flair als Studentenstadt mit Geschichte bewahrt und für einen kleinen Bummel durch die Altstadt oder ein Aufstieg zum Schloss sollte man sich unbedingt ein wenig Zeit nehmen.
Von Hexen und Zwergen im Heidelberger Schloss
Das Heidelberger Schloss liegt 80m über dem Talgrund am Nordhang des Königstuhls und prägt das Bild der historischen Stadt. Es ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands und das bedeutendste Rennaissance-Bauwerk nordlich der Alpen. Bis zu seiner Zerstörung durch Soldaten Ludwigs XIV war es die Residenz der Kurfürsten von der Pfalz.
Der HEXENBISS
Am Tor zum Schlosshof hängt ein eiserner Ring, mit dem die Besucher früherer Zeiten Klopfzeichen gaben, wenn sie Einlass begehrten.
Ein Schlossherr mit Humor fand, dass man mit dem Ring auch eine kleine Aufgabe verknüpfen könnte. So versprach er, dass derjenige der den Ring durchbeissen könne, der nächste König werden solle. Er amüsierte sich vortrefflich bei dem Anblick der Jünglinge, die sich an dem Schloss die Zähne ausbissen und kommentierte deren Versuche mit der Weisheit: "Wer sich an dieser Aufgabe nicht die Zähne ausbeisst, der hat auch im Leben Bestand."
Doch eines Tages wäre sein Hochmut fasst bestraft worden, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass sich eine mächtige Hexe der Aufgabe stellen würde. Der König kam arg ins Schwitzen und beobachtete mit großer Unruhe, wie die Hexe sich an dem Schloss zu schaffen machte. Doch er hatte Glück: Selbst unter Aufgebot all ihrer magischen Fähigkeiten konnte sie das Schloss nicht zerbeissen. Nur eine kleine Vertiefung blieb im Schlossring zurück. Diesen "Hexenbiss" kann man heute noch bestaunen.
Ein kleiner Zwerg und sein großer Durst
"Es war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloss, vom Wuchse klein und winzig, vom Durste riesengroß"
Heidelberg liegt bekanntlich in einem der besten Weinanbaugebiete Deutschlands. Das wussten auch die adeligen Besucher bei Hofe und so nutzten sie jede Gelegenheit, sich von dem gastfreundlichen Kurfürsten Karl Phillip auf ein, zwei oder auch mehr Gläschen einladen zu lassen. Um nicht als schlechter Gastgeber zu gelten und den großen Durst der Gäste zu stillen, ließ Kurfürst Karl Phillip ein Gebäude errichten in das ein riesiges Weinfass eingepasst wurde, den Fassbau. Das Gebäude war direkt an den Königssaal angeschlossen, so dass bei Feierlichkeiten die enormen Weinvorräte im Fass angezapft werden konnten.
Bei so einem großen Fass fällt es natürlich nicht auf, wenn hier und da mal ein Gläschen des edlen Tropfens fehlt...so dachten viele und der Kurfürst musste schließlich handeln. Karl Philipp suchte einen Wächter für das Riesen-Fass und fand einen trinkfesten Zwerg.
Er hatte ihn auf einer Reise nach Tirol kennen gelernt und ihm gefielen seine Humor und sein kleiner Wuchs. Doch am meisten hatte ihn seine Trinkfertigkeit beeindruckt, weshalb er für seine neue Aufgabe prädestiniert zu sein schien. Angeblich lockter er ihn mit den Worten: "In meinem Schlosskeller liegt das größte Fass der Welt. Wenn Du es austrinkst, soll Stadt und Schloss dein sein." Der Knirps anwortete "Perche no?" (Warum nicht), weshalb er seinen Spitznamen "Perkeo" erhielt.
Wein soll das einzige Getränk gewesen sein, dass Perkeo zu sich nahm. Wie Victor Hugo beschreibt, wurde der arme Kerl ausgepeitscht, wenn er nicht täglich fünfzehn Flaschen Wein trank. Schließlich wurde er sehr krank und ein Arzt riet ihm dazu, keinen Wein mehr zu trinken. Er ignoriert den Rat und starb am folgenden Tag.
Goethe und das Heidelberger Schloss
An einem Mauerrest des Vogelhauses findet man eine Steintafel, deren Inschrift an das letzte Treffen von Marianne von Willemers mit Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1815 erinnern soll. Die Dame verfasste die neun Strophen am 28.August 1824, dem 75. Geburtstag Goethes:
Auf der Terasse hoch gewölbten Bogen War eine Zeit sein Kommen und Gehen Die Chiffre von der lieben Hand gezogen Ich fand sie nicht sie ist nicht mehr zu sehn....
Direkt gegenüber der Gedenktafel steht ein Gingko-Baum. Ein solches Blatt soll Goehte als Symbol der Freundschaft an Marianne von Willemer geschickt haben.

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