Felsenmeer

Das Felsenmeer ist eine wirklich sehenswerte Attraktion im Odenwald. Da eigentlich alle Ferienspiel-, Austauschschüler- oder Familienausflüge das Felsenmeer zum Pflichtprogramm auserkoren haben, ist es ratsam hier an kühleren Tagen oder unter der Woche vorbei zu kommen. Für das Mountainbike sind die Unmengen von Felsen weniger geeignet, doch auch die am Rand entlang führenden Wege sind sehr schön und überraschen immer wieder mit "kleinen Felsenmeeren" und Felsformationen am Wegrand. Oft sind Bearbeitungsspuren aus römischer Zeit noch deutlich an den Felsstücken zu erkennen.
Ein kleiner Kiosk am oberen Ende bietet hier am Wochenende allerlei Mitbringsel für die Daheimgebliebenen, aber auch eine Bratwurst und ein Getränk zur Stärkung.
Sehr interessant ist das neue Informationszentrum mit Kiosk, das am unteren Felsenmeer-Ende, in Reichenbach, Snacks, Wanderkarten und eine kleine Ausstellung bietet.
Die Römer und das Felsenmeer Bereits bei den Römern im 2.-4. Jahrhundert wurden die Quarzdiorit-Blöcke im Felsenmeer als Werkstoff genutzt. Neben der Keilspaltung, bei der man Holzpflöcke in gemeisselte Löcher treibt und mit Wasser zum Aufquellen bringt, kannten die Römer bereits eine Steinsägetechnik.
Die Riesensäule
Die bekanntestse römische Hinterlassenschaft im Felsenmeer ist die Riesensäule, die für den Bau des Trierer Doms bestimmt war. Sie ist 9,39 m lang, hat am unteren Ende einen Durchmesser von 1,30 m und oben von 1,06 m. Ihr Umfang beträgt 4,12 m bzw. 3,40 m am oberen Ende. Mit ihrem Gewicht von 57 Tonnen ist es erstaunlich, welche Strecken die schweren Objekte der Römer zurücklegten, bis sie zu ihrem Bestimmungsort gelangten - ganz ohne LKW und Bahn.
Bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1476 wird sie als "Stein-Sule" erwähnt. Im 17. Jahrhundert wurde sie in "Bonifatius-Säule" umgetauft. Auf der Unterseite findet sich eine kleine Nische, die vermutlich erst später, in frommer Absicht, in die Säule gemeisselt wurde, um eine Heiligenfigur zu beherbergen.
Würde dies zutreffen, müsste die Säule früher aufrecht gestanden haben, was für die römischen Steinmetze keinen Sinn gemacht hätte.
Es gibt daher fantasievolle Thesen die behaupten, Germanen hätten die Säule aufgerichtet und als Wotansheiligtum genutzt. Um den heidnischen Brauch zu brechen habe man dann die Säule für christliche Zwecke umfunktioniert. In jedem Fall ist überliefert, dass die Jugend den Platz bis ins 17. Jahrhundert für Frühlingsfeste nutzte.
Bekannt sind auch weitere römische Relikte, wie der Altarstein, der deutliche Bearbeitungsspuren zeigt. Insgesamt gibt es über 300 Objekte römischer Steinmetze, die bis heute im und um das Felsenmeer erhalten sind. Es gilt als einzigartig in Europa.
Wenn Odenwälder Riesen streiten, entsteht ein ganzes Felsenmeer Vor langer Zeit lebten im Odenwald zwei gewaltige Riesen. Der eine lebte auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein. Nun sind Riesen bekanntlich sehr launig und streitsüchtig, weshalb man sich besser nicht mit ihnen anlegt. Diesen Rat beherzigten die Odenwälder, doch sie hatten nicht damit gerechnet, dass die beiden Riesen miteinander in Streit geraten würden und der war fürchterlich. Beiden wurden so wütend, dass sie sich nach Riesenart mit gigantischen Felsblöcken bewarfen. Der Hohensteiner hatte jedoch einen entscheidenden strategischen Vorteil: Um ihn herum lagen so viele (für Riesen) handliche Felsblöcke, dass der Felsberger schließlich unterlegen war und unter den Felsblöcken begraben wurde. Und dort unter dem Felsenmeer liegt er noch heute, unfähig sich zu rühren, denn Riesen sind ja bekanntlich unsterblich. Wenn man ganz leise ist, dann hört man ihn noch heute schnaufen. Es soll auch helfen mal kräftig mit dem Fuß auf den Boden zu stampfen, dann entlockt man ihm sogar ein Stöhnen.
Wie das Felsenmeer wirklich entstand Das Felsenmeer ist im wahrsten Sinne des Wortes steinalt. Vor 340 Millionen Jahren kollidierten die zwei Urkontinente: Der aus Norden kommende "Old-Red Kontinent", der sich unter den südlichen "Kontinent Gondwana" schob. Dabei kam es im oberen Erdmantel zur Bildung von Gesteinschmelzen, die langsam in die Erdkruste aufstiegen und erkalteten.
In 12-15 km Tiefe unter dem Felsberg bildeten sich mächtige Mengen Quarzdiorit. Durch die Schrumpfung beim Erkalten entstanden erste Risse. Diese vertieften sich beim Aufstieg des Gebirges in Folge der Druckentlastung. Sie zerteilte die massiven Felskörper in quaderförmige Stücke.
In der Erdneuzeit, dem Tertiär, war das Gebirge schließlich abgetragen und die Felsen wurden einer intensiven subtropischen Witterung ausgesetzt.
Seine heutige Gestalt erhielt das Felsenmeer jedoch erst in (geologisch betrachtet) junger Zeit. Während der Eiszeiten (Pleistözan) gab es hier zwar keine Gletscher, doch ein Permafrostgebiet. Infolge der andauernden Erhebung des Odenwaldes schnitten sich Flüsse und Bäche immer tiefer in den Untergrund. Im Bereich der Hänge enstanden sogenannte Bodenfließen, die lockeres Material mit sich rissen und die Quarzblöcke freilegten. Diese glitten ebenfalls ins Tal hinab und bildeten das heutige Felsenmeer. |