Burgruine Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim

Die Burgruine Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim ist ein beliebtes Ausflugsziel für viele Mountainbiker. Geographisch liegt sie zwischen der Burg Frankenstein im Norden und dem Melibokus im Süden.
Die älteste Handfeuerwaffe Deutschlands
Bei Ausgrabungen im Jahr 1849 wurde die bronzene "Tannenberger Büchse" gefunden. Sie ist eine der ältesten bekannten Handfeuerwaffen der Welt und kann heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg bestaunt werden.
Ursprüngliches Aussehen und Geschichte der Burg Tannenberg
Von der kleinen, ovalen Burg ist leider nur noch eine Burgruine geblieben. Ursprünglich prägten das Bild der Burg ein offener Zwinger und ein runder Bergfried. Heute sind Teile der Ring- und Zwingermauer, Fundamente mit Mauer- und Kellerresten und der Stumpf des runden Bergfrieds sichtbar.
Während die Burgruinen heute fast in Vergessenheit geraten sind, ging es auf der kleinen Burg zu früheren Zeiten hoch her. Ulrich I. von Münzenberg erbaute die Burg um 1230, um sein südliches Amtsgebiet zu sichern. Urkundlich wurde sie 1239 erstmals als "Burg Seeheim" erwähnt. Doch hätte er gewusst, was mit der Burg geschehen würde, dann hätte er sich das ganze bestimmt nochmal überlegt. Denn nach seinem Tod wurde der Besitz durch zahlreiche Erbschaften immer weiter zersplittet, bis die Erben schließlich nicht mehr auf der Burg lebten und diese nur noch von "Burgmannen" besetzt war. Nun schlug die Stunde der Raubritter.
Ein gefährliches Bergvolk waren diese Odenwälder...
Es war der 29. August 1379 als sich auf der Burg Tannenberg 18 gefürchtete odenwälder Ritter einfanden und sich feierlich den Burgfrieden und gegenseitigen Schutz schworen.
Zu den gefürchtetsten unter ihnen zählte der Graf Wilhelm von Katzenellenbogen, der auch Mitbegründer des ritterlichen Löwenbundes war. Die Mitglieder dieses Bundes waren bekannt für eine städtefeindliche Politik. Sie verpflichteten sich, einander Schutz zu gewähren und Hilfe zu leisten gegen Angriffe von außen. Als Erkennungsmerkmal trugen die Ritter einen goldenen Löwen, deren Knappen einen silbernen. Immer mehr Fürsten, Grafen, Herren, Ritter und Knechte traten dem Löwenbund bei, so dass sich dieser bald vom Main, über Rhein und Lahn, in Schwaben, im Elsaß, im Breisgau, in Lothringen und in Franken soweit ausgedehnt hatte, dass Untergruppen gebildet werden mussten.
Unruhige Zeiten also, in denen der Graf von Katzenellenbogen 17 weitere Ritter um sich scharrte. Einer von ihnen war Werner Kalb aus Reinheim, der zu dieser Zeit die Burg verwaltete und als Raubritter in die Geschichtsbücher einging.
Helmut der Jüngere von Kronberg war ebenfalls ein ziemlicher Haudegen. Die ständigen Fehden zwischen Kronberg und Frankfurt veranlassten ihn schließlich dazu, mit 30 Helfern und Knechten auf die Burg Tannenberg umzuziehen. Eine große Männer-WG also und wen wundert es bei dieser Besetzung, dass die Burg schon bald zu einem gefüchteten Sitz von Raubrittern wurde, die zahlreiche Überfälle und Plünderungen an der Bergstraße und im Odenwald begingen.
Das konnte ja nicht ewig gut gehen...
Am 22. Juni 1399 wurde die Burg unter Führung von Graf Phillip von Nassau belagert. Die Tannenburg war mittlerweile mit 65 Mann besetzt, die sich standhaft werten. Mit schweren Waffen, darunter fünf Geschütze, setzte man der Burg zu.
Die raubritterliche Besatzung war nicht gerade zimperlich und konnte die ersten Angriffe abwehren. Die Wende brachte schließlich ein technisches Wunder der damaligen Zeit: Das Frankfurter Geschütz. 20 Pferde waren nötig, um die rund 3500 KG schwere Steinbüchse den Berg hochzuziehen. 40 Kugeln mit einem Durchmesser von je 50 cm und einem Gewicht von 170 KG schlugen tiefe Breschen in die Burg. Doch damit nicht genug, denn der Burgfried wurde durch eine Pulverexplosion gesprengt.
Damit geht die Burg Tannenberg, dank ihrer widerstandsfähigen Raubritter, als erste Burg, die mit Feuerwaffen zur Übergabe gezwungen wurde, in die Geschichte ein. Sie wurde nie wieder aufgebaut und diente leider, wie so viele andere Burgen, der Bevölkerung als Steinbruch.
Seit einigen Jahren versucht ein Verein die Burg zu restaurieren.

Dies war die letzte Sehenswürdigkeit der ersten Etappe, weiter geht es im zweiten Teil, Burgenweg 2: Jugenheim bis Bensheim.
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